Enormer Aufwärtstrend bei Dorstfelder Klub – der Aspekt der Selbstverteidigung steht nicht im Vordergrund:
Westdeutsche Allgemeine
Unabhängige Tageszeitung
Mittwoch, 19. Dezember 1984
Nr. 297
„Schwaches Geschlecht“ stark vertreten bei Shotokan-Karate-Dojo
Dorstfeld. Weder gab es zerberstende Ziegelsteine, noch roch es nach Räucherstäbchen, als jetzt 22 Mitglieder des „Shotokan-Karate-Dojo“ in der Gymnastikhalle des Schiller-Gymnasiums in Dorstfeld ihre Gürtelprüfungen ablegten. 15 davon waren Anfänger, für sie war es nach einem halben Jahr intensiven Trainings die erste Möglichkeit, den „gelben Gürtel“ zu erlangen. Sieben erfahrene Karate-Kämpfer standen an, um sich vom derzeit einzigen Schwarzgurtträger des Vereins, Friedhelm Miller, für den nächsthöheren Grad testen zu lassen. Wem die Reihenfolge nicht bekannt ist, sei sie hier genannt: Vom weißen Anfängergürtel geht es über den gelben, orangenen, grünen, violetten und braunen bis schließlich zum schwarzen Meistergürtel, dem 1. Dan.
Seit drei Jahren gibt es diesen Klub in Dorstfeld, „aber Karate wird immer beliebter und wir konnten unsere Mitgliedszahlen von ganzen sieben im Gründungsjahr auf jetzt fast 50 steigern“, resümiert Klaus Schoo, der 1. Vorsitzende, stolz.
Erstaunlich ist der hohe Anteil von Frauen: Gut zehn Vertreterinnen des angeblich „schwachen Geschlechts“ machen mit. Ilona Walter, Schülerin, und seit einem Jahr begeistert bei der Sache: „Im Vordergrund stehen für mich der Sport, die Konzentration und die Selbstbeherrschung. Erst danach kommt der Aspekt der Selbstverteidigung.“
Denn, auch wenn beim Karate wirklich nicht geprügelt wird, „die erlernten Kampftechniken können auf der Straße für Sicherheit in bedrohlichen Situationen sorgen“, erklärt Klaus Schoo. Das Alter der Aktiven liegt zwischen 12 und 35 Jahren; die meisten sind Schüler und Studenten. Man trifft sich auch außerhalb der Halle, um z. B. gemeinsam an einem chinesischen Kochkurs teilzunehmen, sich mit Meditation zu beschäftigen oder um einfach nur zu laufen. „Hier ist wirklich ein prima Verständnis untereinander.“
Erfreuliches Ergebnis der jetzigen Prüfung: alle 22 Teilnehmer bestanden „mit guten Leistungen“, Trainer Friedhelm Miller war zufrieden. Für mögliche Interessenten hier die Übungszeiten in der Gymnastikhalle des Schiller-Gymnasiums: dienstags 17 bis 18 Uhr, mittwochs 18 bis 19.30 Uhr und freitags von 18 bis 19 Uhr.
Irokese aus Buffalo: Völkerverständigung mit Karate
Westfälische Rundschau
Unabhängige Tageszeitung
Mittwoch, 8. August 1984
Nr. 184
(mk) Seine Sportart ist zwar nicht olympisch, aber Dortmunder Mädchen und Jungen waren mit Begeisterung bei der Sache, als Karate-Lehrer Ed Schindler sein zweiwöchiges Karate-Seminar in Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Shotokan-Karate-Dojo durchführte. Gestern empfing Bürgermeister Rolf Schäfer den Indianer vom Stamm der Irokesen aus der Partnerstadt Buffalo, dessen Aufenthalt in der Westfalenmetropole sich seinem Ende zuneigt.
Klaus-Clemens Schoo vom Dortmunder Karate-Klub knüpfte vor drei Jahren bei einem Aufenthalt in der Partnerstadt erste Kontakte zu Ed Schindler. Der 29-jährige Irokese, dessen Vater von einem Niederländer adoptiert wurde und der so zu seinem ungewöhnlichen Nachnamen kam, trainierte den Dortmunder damals in seinem Klub im Reservat vor den Toren Buffalos.
Beim Lehrgang, der in der TSC-Halle stattfand, lernten die Dortmunder Schüler nicht nur in der Bundesrepublik weitgehend unbekannte Selbstverteidigungstechniken kennen, sie erfuhren auch viel über die Situation der Indianer in den Staaten und das Leben in den Reservaten. Ed Schindler fand in Dortmund Freunde und knüpfte viele Bekanntschaften. Einige sollen vertieft werden, wenn eine Karate-Gruppe zum Gegenbesuch in die Heimat des 29-Jährigen reist.
Auch Bürgermeister Schäfer bekam gestern schnell mit, was es heißt, in den Staaten ein Indianer zu sein. Ed Schindler überreichte ein Tonband mit indianischen Gesängen und Gedichten, die einen Einblick in Kultur und Denkweise der nordamerikanischen Indianer geben
Neue Partnerschaft mit Irokesen
Indianer mit deutschem Namen trainiert Karatesportler und festigt Kontakte mit Buffalo
Westfälischer Anzeiger
8.8.1984
„Iskongeai“, sagt Ed Schindler aus Buffalo zum Abschied. Das heißt: „Wir sehen uns wieder.“ In der indianischen Sprache gibt es kein „Good bye“. Der 29-jährige Karatelehrer indianischer Abstammung hat in den vergangenen zwei Wochen Karatekas aus allen neun Dortmunder Karatevereinen so manche neue Technik beigebracht und ihnen gleichzeitig ein wenig von seiner Lebensphilosophie mitgegeben: „Karate bedeutet für mich mehr als nur Sport. Es ist eine Lebensphilosophie, die nicht nur den Kampf mit dem Gegner sucht, sondern vor allem den Kampf mit sich selbst.“
So erklärte es der Indianer gestern Bürgermeister Rolf Schäfer, der ihm fast eine Stunde lang aufmerksam zuhörte.
Der Verein Shotokan Karate Dojo Dortmund hatte Schindler eingeladen und mit Unterstützung des TSC Eintracht ein zweiwöchiges Seminar organisiert. Hier ging es vor allem um traditionelle Techniken der Selbstverteidigung, die in den USA hauptsächlich gelehrt werden – so auch der Umgang mit einem langen Bambusstab, dem „Bo“.
„Das Seminar fand so viel Anklang, dass Ed noch eine Woche dranhängen musste“, erzählt Klaus-Clemens Schoo, einer der Organisatoren des Seminars. „Wir mussten sogar auf einen Parkplatz ausweichen, da die Halle des TSC Eintracht zu klein war.“
In diesen zwei Wochen sind viele Freundschaften entstanden – und Verständnis wuchs für die Kultur und die Denkweise der nordamerikanischen Indianer. Schindler zeigt großes Interesse an deutscher Lebensweise, weil sein Vater von deutschen Einwanderern adoptiert wurde und ihm so den für einen Irokesen sicher ungewöhnlichen Namen gab. Mit Schindlers Besuch schließt Dortmund auch eine Partnerschaft mit den Irokesen, auf deren Territorium Buffalo liegt.
Bildunterschrift:
IROKESE MIT DEUTSCHEM NAMEN: Ed Schindler wurde von Bürgermeister Schäfer empfangen. waz-Bild: Franz Meinert.
Ed Schindler ist Experte für fernöstlichen Kampfsport
Indianer mit deutschem Namen lehrt Karate
Dortmunder Zeitung
8.8.1984
(chris) Ed Schindler ist ein Indianer aus dem Stamm der Irokesen, er wohnt in einem Reservat vor den Toren von Buffalo. Zwei Wochen lehrte er auf Einladung des Shotokan-Karate-Dojo Dortmund e.V. in der Revierstadt Karate.
Mit Unterstützung des TSC Eintracht hatten alle neun Dortmunder Karatevereine ein gemeinsames Seminar mit 30 Teilnehmern organisiert. Der Gast aus den USA wurde gestern von Bürgermeister Rolf Schäfer empfangen, dem er ein Tonband und eine Niederschrift mit indianischen Gesängen, Musik und moderner Lyrik überreichte. Der Bürgermeister schenkte ihm einen Bierkrug, der mit einer Abbildung des mittelalterlichen Dortmunds verziert ist, und den Freundschaftswimpel der Stadt.
Den deutsch klingenden Namen erhielt Ed Schindler von seinem Großvater, der von deutschen Einwanderern adoptiert worden war.
„Ich war 1980 zum Training in den USA, wo Karate sehr populär ist. So habe ich Ed kennengelernt“, erzählt Klaus-Clemens Schoo vom Shotokan-Karate-Dojo.
Wie kommt ein Indianer zum Karate?
Wie kommt ein Indianer zu einem Kampfsport, der in fernöstlichen Gefilden beheimatet ist? „Ich bin vor acht Jahren durch die USA gereist. In San Francisco ist mir das Geld ausgegangen, da musste ich mir einen Job suchen“, berichtet der 29-Jährige, der vier Jahre in Buffalo amerikanische und europäische Geschichte studierte.
Fünf Jahre beschäftigte sich Ed mit Karate. „Es geht hier nicht nur um den Kampfsport, sondern um Vertrauen zu sich selbst, und da gibt es sehr viele Parallelen zwischen Menschen aus Fernost und den Indianern“, meint der 29-Jährige.
Er hat als Geschichts-, Mathematik- und Englischlehrer bisher keine Arbeit gefunden, weil er an einer Schule unterrichten möchte, an der er sich wirklich mit amerikanischer Geschichte beschäftigen kann: „Viele Amerikaner glauben, dass ihre Geschichte erst mit der weißen Einwanderung begann.“
Auf Bitten der Kursteilnehmer wurde der Kurs verlängert. In der nächsten Woche kehrt Ed in die USA zurück.
Bildunterschrift:
Ed Schindler (M.) dankt Bürgermeister Rolf Schäfer für die Geschenke. Klaus-Clemens Schoo (r.) half als Dolmetscher. (Dan)